
Chirurgie – einschneidende Eingriffe
Die Geschichte der Chirurgie reicht bis in die Steinzeit zurück. Bereits zu dieser Zeit unternahmen Menschen operative Eingriffe am Kopf kranker Patienten. Sogar chirurgische Instrumente kannte man schon, wenngleich die natürlich längst nicht ausgefeilt waren, wie heute. Bis zum Aufkommen der akademischen Medizin war es die Aufgabe des Baders oder des Wundarztes kleinere Eingriffe vorzunehmen. Doch OPs waren damals längst nicht so schonend und sanft. Vor dem Aufkommen der Narkose musste der Arzt äußerste Eile an den Tag legen, um dem Patienten nicht unnötig vielen Schmerzen auszusetzen.
Ein wichtiger Meilenstein in der Historie der Chirurgie bildete die Einführung hygienischer Maßnahmen und der Desinfektion. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man jedoch diesem Aspekt größere Bedeutung beizumessen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden beispielsweise die Wunden mehrerer Patienten mit ein und demselben Schwamm gereinigt. Medizinische Instrumente erfuhren keine vorherige oder nachfolgende Reinigung und die OP-Schürzen der Chirurgen waren grundsätzlich dunkel, damit die Blutflecken nicht so auffielen. Bedeutende Väter der Hygiene in der Medizin waren Louis Pasteur, Robert Koch und Sir Joseph Lister.
Heutige Chirurgen befolgen natürlich einen anderen Standard. Mediziner, die sich zum Chirurgen ausbilden lassen möchten, müssen ausdauernd sein, denn die fünfjährige Weiterbildung ist äußerst anspruchsvoll. Im Rahmen dieser weiterführenden Bildungsmaßnahme müssen sie bestimmte Operationen durchführen und so praktische Erfahrungen sammeln. Wörtlich übersetzt, ist ein Chirurg ein Handarbeiter. Ein Handwerker, der viel Geschick mitbringen muss, geht es doch um essenzielle Körperbestandteile, die behandelt werden. So muss ein Operateur beispielsweise krankhafte Organe teilweise oder ganz entfernen, Prothesen implantieren, etwa ein künstliches Kniegelenk, oder einen Herz-Bypass legen; diese Arbeit verlangt große Fingerfertigkeit.
Man unterscheidet verschiedene Fachbereiche der Chirurgie. Zu dem bekanntesten, aber sicher nicht zum wichtigsten Bereich gehört die Plastische Chirurgie, die unästhetische Nasen gerade gerückt, Brüste vergrößert oder Narben glättet. In der rekonstruktiven Chirurgie erhalten Menschen mit stark entstellenden Krankheiten oder großflächigen Brandwunden kompetente Hilfe. Weitere Bereiche sind:
-Herzchirurgie
-Neurochirurgie
-Kieferchirurgie
-Kinderchirurgie
Die Möglichkeiten der Chirurgie entwickeln sich immer weiter. Heute sind sogar schon minimalinvasive Eingriffe denkbar, die ohne größere Schnitte auskommen, ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist die sogenannte „Schlüssellochtechnik“. Sogar Knochenbrüche werden heute ohne Operation behandelt und erfordern zur Heilung lediglich einen Gipsverband.
