Politik – Lang lebe das Nichtwissen

Es ist eines der unbeliebtesten Themen überhaupt. In Wissensumfragen ist es immer das Gebiet, das am schlechtesten abschneidet. Vor einiger Zeit waren bei Stefan Raab auf diesem Gebiet besonders unbedarfte Menschen zu sehen. Die Antworten auf Fragen, wie beispielsweise die Abkürzungen der Parteien oder dem aktuellen Regierungsoberhaupt sorgten für Erheiterung und Erstaunen. Aber mal ehrlich, hätten wir es besser gewusst?


Als durchaus positiv zu verzeichnen, ist die Tatsache, dass sich inzwischen in weiten Bevölkerungskreisen herumgesprochen hat, dass eine Frau die Bundesrepublik regiert. Doch mit den Details sieht es nach wie vor dürftig aus. Wer ist beispielsweise Außenminister oder wer ist für das Ressort Wirtschaft und Technik zuständig?


Eigentlich verwundert es kaum, dass eine erschreckend hohe Zahl an Bürgern kein Interesse an denn politischen Vorgängen im eigenen Land hat. Mangelnde Einsicht in die Bedürfnisse der Bürger, falsche Entscheidungen und auch die Finanzkrise zeigen deutlich, dass man und frau nicht zufrieden sind. Bei den Wahlen gehen immer weniger Bürger überhaupt zur Urne, da man der Ansicht ist, dass sich ohnehin nichts ändern wird, zumindest nicht zum Guten. Heutzutage hat man sogar ein Wort für dieses gemeinschaftliche Gefühl der Unzufriedenheit gefunden: Politikverdrossenheit. Ob wir auch irgendwann solche extremen Zustände wie in Saramagos Roman „Stadt der Sehenden“ haben werden, bleibt ungewiss. Hier sind die fiktionalen Bürger der Regierung so überdrüssig, dass sie bei einer Kommunalwahl leere, also weiße Stimmzettel abgeben. Die Regierung wiederum beschließt – als eine Art Strafe – die Bevölkerung von der Außenwelt abzuschotten.


Die Fehltritte unserer Politiker sorgen regelmäßig für Entsetzen. So die Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Beckstein, dass man mit 2 Maß Bier noch problemlos Autofahren kann. Oder Noch-Präsident Bushs Beinahe-Brezel-Attacke. Unvergessen auch Clintons Oval Office Affaire mit Praktikantin Monica Lewinsky. Ist es da ein Wunder, dass kaum jemand noch den Politikern vertrauen möchte und, dass Politiker immer öfter zu Opfern schamloser Satiren und Parodien werden?