Schulabschluss – Von Ritualen und Traditionen

 

Die Hüte fliegen in die Luft, alle tragen Talare und abends geht’s zum Abschlussball, wo alle Jungs und Mädels gleich zwei Premieren erleben: Sie sind das erste Mal richtig betrunken und (das scheint ein Kausalzusammenhang zu sein) verlieren ihre Unschuld. Glaubt man verschiedenen Hollywoodfilmen, ist der Highschoolabschluss also einer der wichtigsten Erlebnisse im Leben eines jungen Menschen.


Auch in Deutschland gehören zum Schulabschluss feste Rituale. Doch hier ist man – Gott sei Dank – von Stretchlimousinen, Diademen und Date-Zwang noch weit entfernt. Dennoch wird nicht einfach der Schulranzen an den Nagel gehangen, sondern nach einer anstrengenden Prüfungszeit voller Klausuren und mündlicher Prüfungen wird der Schulabschluss von den Meisten herbeigesehnt. Er soll ganz besonders gefeiert werden. So gehört zum Schulabschluss eine feierliche Zeugnisübergabe mit Programm (meistens mit vielen Reden und musikalischen Auftritten). Danach gibt es oft einen Sektempfang.


Egal ob an der Haupt- oder Realschule oder am Gymnasium: Ein Abschlussball gehört auf jeden Fall dazu. Der wird meist von den Absolventen selbst organisiert und findet entweder in der Schulaula, in der Sporthalle oder in einem gemieteten Saal statt. Neben den frischgebackenen Absolventen feiern auch die Lehrer und die Familienangehörigen mit.


Oft unternehmen die ehemaligen Schüler, vor allem die Abiturienten der Gymnasien, eine gemeinsame Reise, bei Abiturienten auch Abifahrt genannt, in der es weniger um Sehenswürdigkeiten, als vielmehr um erhöhten Alkoholkonsum geht. Hier ist aber nicht die Abschlussfahrt gemeint, die von der Schule organisiert wird, sondern eine separate Fahrt, bei der die Schüler unter sich sind und ein letztes Mal die Gemeinschaft der Stufe genießen, bevor sich die Meisten in alle Winde zerstreuen und aus den Augen verlieren.


Auch ein eigenes Logo, das man auf T-Shirts oder in der eigens zusammengestellten Abschlusszeitung findet, gehört zu einem Abschlussjahrgang dazu. Insbesondere bei Abiturjahrgängen überbieten sich hier die Schüler oft in Wortspielen, die möglichst das Wort „Abi“ enthalten sollen. Auch verewigen sich die Schüler meist im Schulgebäude oder auf dem Schulhof, beispielsweise durch eine Plakette oder einen gepflanzten Baum.


Am Gymnasium gibt es meist einen sogenannten „Abistreich“ oder „Abischerz“, bei dem die Abiturienten den Schultag gestalten. Dafür wählen sie entweder ihren letzten Unterrichtstag oder einen Schultag kurz nach der letzten Prüfung. Hier finden zum Beispiel sportliche Wettkämpfe oder eine Schuldisco statt. Oft wird die Schule in der Nacht zuvor aufwendig dekoriert. Manche Jahrgänge führen ein Theaterstück auf, andere, besonders in ländlichen Regionen, veranstalten einen „Abimove“, bei dem alle Schüler der Schule, begleitet von lauter Musik, durch die Innenstadt laufen. Traditionen variieren hier von Schule zu Schule.