Fachhochschulen – mehr Praxis, weniger Theorie

 

Fachhochschulen blicken auf eine kürzere Geschichte als die altehrwürdigen Universitäten zurück. Es gibt sie in Deutschland seit etwa Anfang der Siebziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts. Anders als bei Universitäten braucht man, um an einer Fachhochschule zu studieren nicht das Abitur. Die Fachhochschulreife genügt.


Doch auch ohne entsprechenden Abschluss kann man an einer Fachhochschule (kurz FH) studieren. Hat man beispielsweise einen Realschulabschluss und ist beruflich bereits für den gewählten Studiengang qualifiziert, ist es ebenfalls möglich, ein Studium an der Fachhochschule zu beginnen.


Die Wissenschaftlichkeit soll auch bei einer Fachhochschule nicht zu kurz kommen. Dennoch gibt es im Fachhochschulstudium einen stärkeren Praxisbezug. Deswegen ist ihr fachliches Angebot auch eingeschränkter als das der Universitäten. Hier werden meist Studiengänge angeboten, die einen wirtschaftlichen oder technischen Schwerpunkt haben.


Waren Fachhochschulen früher noch auf die Lehre beschränkt, so gilt heute an Fachhochschulen, wie an Universitäten das Nebeneinander von Forschung und Lehre.

Derzeit besitzen Fachhochschulen kein Promotionsrecht. Das heißt, eine Zusammenarbeit mit einer Universität ist notwendig, um Doktorgrade zu vergeben.


Der von der EU angestoßene Bologna-Prozess soll die Hochschulsysteme der Mitgliedsstaaten aneinander angleichen, um so den Austausch und die Vergleichbarkeit unter den Hochschulen Europas zu erleichtern. Dafür wurden das European Credit Transfer System (ECTS), sowie die Bachelor- und Masterstudiengänge entwickelt. Die meisten Fachhochschulen haben deshalb bereits die neuen Studiengänge eingeführt und arbeiten mit dem ECTS-Punkten.

Im Zuge der Internationalisierung nennen sich Fachhochschulen auch „Universities of Applied Sciences“, also Hochschulen für angewandte Wissenschaften.


Im Durchschnitt verdient ein Absolvent einer Fachhochschule 5 bis 6 Prozent weniger als ein Universitätsabsolvent. Das ist natürlich stark abhängig von der Fächerwahl und es sollte niemanden davon abhalten, an einer Fachhochschule zu studieren. Durch die Bachelor- und Masterabschlüsse gleichen sich die Gehälter von Fachhochschul- und Universitätsabsolventen nämlich an. Wichtiger als die Art der Hochschule ist dann der Abschluss: Ein Absolvent mit einem Master wird mehr verdienen als ein Bachelorabsolvent.