Sucht – Wenn Alltägliches zum Zwang wird


Unter Sucht versteht man ein zwanghaftes Bedürfnis, das körperliche und psychische Angewiesensein auf einen bestimmten Stoff oder eine spezielle Gegebenheit.

Der Begriff „Sucht“ wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO durch den Terminus „Abhängigkeit“ ersetzt. Um die Diagnose „Sucht“ zu stellen, müssen mindestens drei von zehn Kriterien erfüllt sein. Die charakteristischen Anzeichen, dass eine krankhafte Abhängigkeit vorliegt, sind unter anderem:

-Erhöhung der Dosis
-Kontrollverlust
-Entzugserscheinungen
-Vernachlässigung des Alltagsgeschehens
-Weiterer Konsum trotz negativer Konsequenzen

Zurzeit leiden etwa fünf bis sieben Prozent der deutschen Bevölkerung unter einer Sucht. Diese kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen „stoff- oder substanzgebundenen Abhängigkeiten“ sowie einer „nicht-stoffgebundenen Abhängigkeit“. Erstere umfassen solche alltäglichen Genussmittel wie Koffein, Nikotin und Tee, aber auch illegale Drogen wie Kokain, selbst Medikamente fallen in diese Gruppe. Zur zweiten Kategorie gehören solche Abhängigkeiten wie die Kaufsucht, die Arbeitssucht, die Esssucht oder die noch recht neue Computer- und Internetsucht. Der zwanghafte Aspekt kann sich auf alle Alltagsaktivitäten beziehen, sogar Sex kann zur Sucht werden. Obwohl scherzhaft auch von einer Schuhsucht gesprochen wird, dürften die wenigsten Frauen auch tatsächlich unter einer echten Abhängigkeit zum feschen Treter leiden. Tritt eine Mehrfachabhängigkeit auf, spricht der Fachmann von einer sogenannten Polytoxikomanie. Die Entzugsbehandlung im Krankenhaus ist eine der Leistungen der Krankenkasse


In Tierversuchen hat man festgestellt, dass für die Entstehung einer krankhaften Abhängigkeit ein ausgeklügeltes Belohnungssystem eine große Rolle spielt. Erleben wir schöne Ereignisse, essen eine kleine Leckerei oder genießen Zärtlichkeiten des Partners kommt es im Gehirn zur Ausschüttung bestimmter Botenstoffe (Dopamin). Im Laufe der Zeit entsteht ein Wiederholungseffekt, der Mensch bemerkt, dass auch bestimmte Substanzen oder Aktivitäten freudige Emotionen auslösen können. Wird das Verlangen immer größer, kann sich eine Sucht einstellen.


Bestimmte Menschen sind prinzipiell gefährdeter, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Labile, unsichere Persönlichkeiten, sowie solche Menschen mit ungelösten psychischen Problemen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten sind anfälliger als gefestigte Menschen, die mit beiden Beinen mitten im Leben stehen.


Die Folgen einer lange andauernden Abhängigkeit sind vielfältig und erstrecken sich auf drei Bereiche. Durch den Missbrauch verschiedener Substanzen stellen sich früher oder später körperliche Schäden ein, daneben kommt es zu psychischen Auffälligkeiten, beispielsweise Konzentrationsstörungen, Depressionen oder Schlafstörungen. Zudem wirkt sich eine Abhängigkeit auch auf den Alltag aus, Freunde wenden sich ab, es droht die soziale Isolation, oftmals verlieren die Betroffenen ihre Arbeit, häufen Schulden an und werden schließlich kriminell.

Aber auch der umgekehrte Effekt ist möglich. So können bereits bestehende Depressionen vorübergehend gemildert werden. Sogar die „Sucht nach der Sucht“ ist bekannt, dies ist der Fall, wenn die Abhängigkeit für Sicherheit und Beständigkeit in einem chaotischen und ungeregelten Alltag sorgt.