Alkoholsucht – Trinken, bis der Arzt kommt

 

Der neue Trendsport unter Jugendlichen heißt „Komasaufen“. Man trifft sich in einer großen Gruppe und zieht von Kneipe zu Kneipe. Der Alkoholpegel steigt und manchmal endet der Abend für einige Teilnehmer sogar im Krankenhaus. Diagnose: Alkoholvergiftung. Doch nicht nur junge Menschen übertreiben es mitunter maßlos. Auch Erwachsene trinken, bis der Arzt kommt.


In unserer Gesellschaft zählt Alkohol zu den akzeptierten Drogen. Während sogenannte „harte“ Drogen sozial geächtet sind, scheint Alkohol und seine Wirkungen noch immer unterschätzt zu werden. Aber diese Ignoranz kann fatale Folgen haben.


Lallende Angehörige, die urinverschmiert in der Wohnzimmerecke liegen, aggressive Ausbrüche oder hilflose Väter – für die Familien ist ein alkoholkranker Angehöriger ein sozialer Supergau. Die wirtschaftlichen Folgen durch Arbeitsausfall, Krankenhauskosten und ärztliche Behandlungen belasten jeden Einzelnen in der Gesellschaft.


Alkoholsucht ist eine chronische Suchtkrankheit, die seit 1968 auch in der Medizin als solche gilt. Sie zählt zu den psychischen Verhaltensstörungen und hat allein in Deutschland 1,7 Millionen Betroffene.


Die Abhängigkeit kann bereits durch kleine Mengen entstehen. Wer täglich seine zwei bis drei Bier braucht, ist ebenso gefährdet wie jemand, der sich an den Wochenenden regelmäßig bis in die Besinnungslosigkeit trinkt. Nach und nach erkennt der Körper die fremde Substanz als „eigen“ an und verlangt regelmäßig nach Nachschub. Es werden immer größere Mengen benötigt. Wird dieses Bedürfnis nicht gestillt, kommt es zu Entzugserscheinungen.


Menschen, die Alkohol über Jahre hinweg in großen Mengen konsumieren, müssen mit ernsten körperlichen Schäden rechnen. Von Bluthochdruck, Mundkrebs, Entzündungen der Magenschleimhaut oder der Bauchspeicheldrüse hin zur Leberzirrhose – nur ein sofortiger Entzug kann das Leben eines Alkoholikers jetzt noch retten. Doch bevor überhaupt eine Therapie begonnen werden kann, muss die Einsicht erfolgen, dass ein Problem vorhanden ist. Aber nur wenige Alkoholkranke kommen in diese entscheidende Phase. Viele trinken, bis sie an den Folgen ihrer Sucht sterben. Jährlich sind es Hunderttausende, die dem Alkohol zum Opfer fallen.


Wird jedoch der Entschluss getroffen, etwas gegen die Sucht zu unternehmen, liegt ein langer, mühsamer Weg vor den Betroffenen. Nach dem stationären Entzug folgt eine mehrwöchige psychotherapeutische Therapie, in der Strategien erarbeitet werden, wie das Leben auch ohne Alkohol bestritten werden kann. Doch in vielen Fällen kommt es zum dramatischen Rückfall – ein harter Rückschlag für den Suchtkranken selbst und dessen Angehörige.


Teil der Therapie muss auch sein, die Ursachen für die Entwicklung der Sucht herauszufinden, damit die Betroffenen nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Verdrängte Probleme müssen an die Oberfläche geholt und verarbeitet, unentdeckte Ängste und Unsicherheiten bekämpft werden, denn eine Alkoholsucht ist oft Ausdruck einer labilen Persönlichkeit.