
Kieferorthopädie – bei Kindern am erfolgversprechendsten
Bei der Kieferorthopädie handelt es um ein Teilgebiet der Zahnmedizin, das sich mit der Erkennung, Verhütung und Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen beschäftigt. Ein alternativ gebrauchter Begriff ist Orthodontie (Zahnregulierung), dieser findet aber vornehmlich im angloamerikanischen Raum Verwendung.
Werden Fehlstellungen der Zähne früh erkannt und dementsprechend behandelt, können kieferorthopädische Maßnahmen sogar gänzlich vermieden werden. Tatsache ist: Schiefe Zähne und Anomalien des Kiefers sind nicht angeboren. Über die Hälfte aller Fehlstellungen wird von falschen Flaschensaugern und Nuckeln (etwa am Daumen) über das Säuglingsalter hinaus verursacht. Beugen Eltern diesem Verhalten vor, muss es nicht soweit kommen, dass eine intensive kieferorthopädische Maßnahme nötig wird.
Wer nun denkt, ein paar schiefe Zähne sind lediglich ein kosmetisches Problem, das keiner weiteren Beachtung oder gar medizinischen Therapie bedarf, irrt gewaltig. Anomalien können unter Umständen zu ernsten gesundheitlichen Beschwerden führen. Zähne und Kiefer, die nicht optimal aufeinanderpassen, belasten auf Dauer das Kiefergelenk, sodass Verspannungen der Kiefer- und Kaumuskulatur entstehen. Intensiv ausgeprägte Fehlstellungen, die über Jahre hinweg unbehandelt bleiben, können in Kopfschmerzattacken oder Migränen enden. Der Kieferorthopäde stellt mit geeigneten Maßnahmen sicher, dass der Kauapparat gesund bleibt und alltägliche Tätigkeiten wie Kauen, Sprechen und Schlucken nicht nur problemlos möglich sind, sondern auch keine Schmerzen verursachen.
Zahnfehlstellungen werden in drei Klassen eingeteilt, zu den bekanntesten Arten gehören Zahnlücken, Kreuzbiss, Überbiss und Progenie. Bei Letzterem handelt es sich um einen angeborenen „Fehler“ des Unterkiefers, der zu groß ausgebildet ist. Um solche und ähnliche Fehlstellungen zu behandeln, sollte eine Therapie möglichst früh – ideal ist ein Zeitpunkt vor dem Abschluss des Kieferknochenwachstums – beginnen. Bei Mädchen ist das Wachstum des Kieferknochens etwa mit 12 abgeschlossen, bei Jungen mit circa 14. Aber auch bei Erwachsenen können kieferorthopädische Maßnahmen durchgeführt werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Zahnhalteapparat gesund ist. Da der Kieferknochen aber nicht mehr wächst und der erwachsene Zahnhalteapparat auf mechanische Reize viel langsamer reagiert, dauert eine Behandlung länger als bei Kindern.
Fast alle zum Einsatz kommenden Geräte bei Zahnfehlstellungen wirken mechanisch, das heißt, sie entfalten Druck oder erzeugen Zugwirkungen auf die zu behandelnden Zähne. Es kommen sowohl sicht- und unsichtbare, als auch fest verankerte und herausnehmbare Möglichkeiten in Betracht. Zu den bekanntesten Behandlungen einer Zahnfehlstellung gehört mit Sicherheit die Zahnspange. Diese muss aufwendig vom behandelnden Kieferorthopäden angepasst werden. Selbst wenn der Kiefer noch wächst, muss eine Zahnspange mitunter für Jahre im Mund verbleiben, um die Zähne in die richtige Position zu rücken. In schwierigen Fällen kann sogar eine Operation angeraten sein, etwa, wenn die Unter- oder Oberkieferknochen für die Fehlstellung verantwortlich sind. Hierbei müssen Kieferorthopäde und Mund-Kiefer-Gesichtschirurg zusammenarbeiten.
Zahnärzte, die sich zum Kieferorthopäden weiterbilden möchten, müssen mindestens ein Jahr in einer Zahnarztpraxis gearbeitet haben, bevor sie für die drei- bis vier Jahre andauernde Ausbildung qualifiziert sind.
